Medienmitteilung

Ein Meisterwerk der Raumgestaltung droht zu verschwinden!

Dem Abbruch und Neubau des Klinikums II des Universitätsspitals fällt ein ausserordentliches Kunstwerk zum Opfer, wenn nicht noch im letzten Augenblick gehandelt wird. Aussergewöhnlich ist es wegen seiner Dimensionen und seiner Machart.

Der weltbekannte und zeitweise in Basel wohnhafte Architekt und Designer Verner Panton (1926-1998) hat im Auftrag des Kantons den langen Verbindungsgang vom Klinikum II zum Parking im Kantonsspital künstlerisch gestaltet. Damit wollte man dem monotonen und etwas unheimlichen Charakter des hundert Meter langen, fensterlosen Gangs entgegenwirken.

Panton gliederte seine Arbeit in acht Sequenzen in den acht Spektralfarben Orange, Hellrot, Dunkelrot, Aubergine, Lila, Violett, Blau und Türkis. Unterbrochen werden dies Sequenzen durch wenige Abschnitte in Grautönen, bei denen sich das Auge etwas ausruhen kann. Die Bemalung wurde im All-Over-Verfahren vorgenommen, ohne Unterscheidung zwischen Boden, Wänden und Decken. Seit seiner Entstehung wurde das begehbare Kunstwerk mehrfach verändert, so in der  Farbe des Bodens, durch den Ersatz der originalen Beleuchtung und durch das Anbringen von Werbepostern. Die Bemalung ist aber vollständig erhalten und in erstaunlich gutem Zustand.
 

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Der von Verner Panton gestaltete Verbindungsgang in der ganzen Länge (Film: Lucius Müller)


«Grosser Verlust für den Kunststandort Basel»

Bei Pantons «gestalterischem Eingriff handelt es sich um eine seiner letzten noch erhaltenen Raumgestaltungen und um ein Exempel für seinen ganzheitlichen Designansatz». Zu diesem Schluss kommt ein kunsthistorisches Gutachten zu den Kunstwerken im jetzt noch bestehenden Klinikum II, welches das Universitätsspital in Auftrag gegeben hat. Die Denkmalpflege hat den Denkmalwert der Panton-Passage 2006 erkannt, ohne dass sich dies aber bis jetzt auf die Planung des Neubaus ausgewirkt hätte. Die Passage würde durch das Baufeld für das Bettenhochhaus
verdrängt. In erwähnten Gutachten wird die Zerstörung der Passage als «grosser Verlust sowohl für das gesamte Oeuvre des weltbekannten Designers wie auch den Kunst- und Kulturstandort Basel» bezeichnet.

Appell vom Heimatschutz Basel und von baukult

Die Baubewilligung für das Vorhaben Klinikum II ist noch nicht erteilt. Der Heimatschutz Basel und baukult – Freiwillige Basler Denkmalpflege – appellieren an das Unversitätsspital, zu prüfen, wie die Panton-Passage innerhalb des Neubauprojekts erhalten werden könnte. Wenn sich dies als unmöglich erweist, müsste diese umfassend und sachgerecht dokumentiert werden (zum Beispiel mit einem Video in einer 3D-Dokumentation). Dabei wäre aus Copyright-Gründen eng mit den Erben von Verner Panton zusammen zu arbeiten, die anregen, über einen originalgetreuen Nachbau des Ganges als Kunstinstallation nachzudenken.

Unterstützung von Rolf Fehlbaum (Vitra)

Rolf Fehlbaum, Gründer des Vitra Design Museum, lernte Verner Panton Anfang der 60er Jahre kennen und war an der Entwicklung des Panton Chair, einem der ikonischen Möbelentwürfe des 20- Jahrhunderts, beteiligt.

Fehlbaum äussert sich zum Thema wie folgt: «In den vielen Jahren unserer Freundschaft kam ich mit allen Aspekten seines Wirkens in Berührung. Der neben seiner Arbeit als Möbeldesigner wichtigste Beitrag erwies sich als der zugleich flüchtigste: die Gestaltung von Räumen, bei denen Wand, Decke, Boden, Licht und Mobiliar integriert und farblich stark akzentuiert waren. Es entstanden unvergleichliche Räume in Wohnungen, Ausstellungen und Restaurants. Sie alle teilten das gleiche Schicksal. Sie wurden nach einer gewissen Zeit verändert oder im Falle von Ausstellungen aufgehoben. Die einzige verbleibende Installation befindet sich in Basel. Es handelt sich um die Passage, die vom Basel Parkhaus zum Petersgraben führt. Ohne Verner Pantons Intervention wäre dieser Schlauch ein unwirtlicher Ort. Dank seiner Intervention vermittelt er ein visuelles Erlebnis. Dieses Zeugnis einer revolutionären Gestaltungsidee wird im Zuge des Neubaus des Klinikum II verschwinden, wenn die Baupläne nicht im Hinblick auf eine Erhaltung angepasst werden. Das wäre ein Verlust für Basel und ein Verlust für die Designwelt.»

Auskünfte

Heimatschutz Basel: Andreas Häner, T +41 79 467 22 49
baukult: Silvio Schubiger, T +41 76 322 03 44

Petition

Rettet ein grosses Kunstwerk von Verner Panton!
Petition an Universitätsspital Basel und Basler Regierungsrat