Der Heimatschutz Basel zeichnet seit 1969 fachmännisch renovierte Altbauten und vorbildliche Neubauten aus. Damit würdigt er herausragende Leistungen der Bau- und Renovationstätigkeit in Basel. Unter den diesjährigen Preisträgern befinden sich eine Renovation, ein Umbau, ein Neubau und ein Newsportal.

Bautenprämierung 2020

Der Heimatschutz Basel prämiert an seiner Jahresversammlung vom 30. September drei hervorragende Bauten, würdigt den Beitrag des Architekturportals «Architektur Basel» für die Baukultur und blickt mit einer Buchpublikation auf «50 Jahre Bautenprämierung» zurück. Die Anerkennung herausragender Leistungen der Bau- und Renovationstätigkeit in Basel wird auch weiterhin ein fester Bestandteil im Aufgabenbereich des Heimatschutzes sein. Erfahren Sie mehr über die Preisträger 2020:

Umbau Silo Erlenmatt, Signalstrasse 37

Architektur Harry Gugger Studio Ltd.
Bauherrschaft Stiftung Habitat
Betreiber Silo by TALENT

Der Umbau des Sandreuter-Silos aus dem Jahr 1912 in ein Arbeits- und Begegnungszentrum im Erlenmattquartier ist ein Glücksfall sondergleichen. Das herausragende Resultat war nur dank der innovativen Leistung des beauftragten Architekturbüros und dem finanziellen und ideellen Engagement der Bauherrschaft möglich. Wie ein von seiner ursprünglichen Funktion derart stark bestimmtes Gebäude in eine vollkommen andere Nutzung überführt werden kann, ohne dabei seine spezifische bauliche Ausprägung zu verlieren, ist genial. Es ist faszinierend, wie sich die neuen Nutzungen in die Strukturen der alten Siloarchitektur einfügen. Die spezifische Architektur des Lagerhauses war Leitmotiv und Inspirationsquelle dafür, wie aus einem Silogebäude, das früher als Zwischenlager für Getreide und Kakaobohnen diente, ein vielfältiges Haus für Menschen werden kann. Dabei halfen die von der Eigentümerschaft zur Verfügung gestellten Mittel, ein grosszügiges Raumprogramm mit geringer Nutzungsdichte umzusetzen. In der Umsetzung dieses architektonischen Konzepts, bei dem die Grundstruktur bis zu den technischen Einrichtungen übernommen werden sollten, galt es auch, technische Anforderungen zu bewältigen. So stellte sich beispielsweise die Frage, wieweit die alte Tragstruktur mit seiner beschränkten Betonqualität noch genügen kann und wie sie durch neue Elemente abgelöst und verstärkt werden konnte.
 

Sandreuter Silo Fassade

Das 1912 erbaute Silo diente einst der Basler Lagerhausgesellschaft als Umschlagplatz für Getreide und anderes Schüttgut. Foto: Harry Gugger Studio, Basel
 

Das Silogebäude von Rudolf Sandreuter diente der Basler Lagerhausgesellschaft als Umschlagplatz für Getreide und anderes, das vor Ort verkauft und abgefüllt wurde. Der markante Silobau stand beinahe 100 Jahre frei auf dem Gelände des ehemaligen deutschen Güterbahnhofs. Der Massivbau in Beton mit seinen umlaufenden Lisenen, dem oberen durchlaufenden Fensterband sowie dem im Dach abgesetzten Lichtband erinnerte insbesondere in seiner Position als Solitär an eine Kathedrale. Mit der Einbindung in die neu erstellten Bauten entlang der Signalstrasse im Zuge der Gesamtbebauung des Erlenmattgebiets hat sich diese charakteristische Exposition zwangsläufig gewandelt. Aus dem einstigen Silogebäude entstand ein verbindendes Element, ein Haus mit gemischter Nutzung für das neu geschaffene Erlenmattquartier.

Im Erdgeschoss befinden sich ein Restaurant und Seminarräume sowie gegen die ruhigere Platzseite in den Obergeschossen preisgünstige Ateliers und gegen die vom Verkehrslärm geprägte Strassenseite die Räume des Hostels, die hinter schallgeschützten Fenstern über Mehrbett- und Doppelzimmer verfügen. Betrieben wird das Ganze durch den Verein Talent, der damit gleichzeitig für junge Berufsleute im gastronomischen Business eine Startplattform anbietet.
 

Wo früher Getreide gelagert wurde, befinden sich heute Ateliers, Büroräume und Hostelzimmer. Die ursprüngliche bauliche Ausprägung blieb erhalten. Foto: Harry Gugger Studio, Basel


Die aussergewöhnliche Leistung gilt der architektonischen Umsetzung. Der Grundraster des Lagergebäudes mit seinen Stützen und Silokammern gab den strukturellen Rahmen für die neuen Einbauten. Es wurden zwei Geschossdecken, die zusammen mit den Stützen die Anforderungen an Statik und Erdbebensicherheit zu gewährleisten hatten, eingebaut. An beiden Enden entstanden die Erschliessungszonen mit den leicht schräg gestellten Treppenläufen in Sichtbeton. Die neuen Treppenhäuser dienen nicht nur der Erschliessung des Gebäudes und der statischen Stabilisierung, sie sind auch ein echter ästhetischer Eyecatcher. Ebenso verblüffen die pyramidenförmigen Schütt-Trichter mit ihren Abfüll-Ventilen an der Decke des Erdgeschosses und erinnern an frühere Zeiten. Diese nicht mehr in Gebrauch stehenden Elemente bereichern den Innenraum mit einer eigenen Ästhetik und Poesie – ergänzt durch untergehängte LED-Leuchtringe, die eigens für diese Situation als Grundbeleuchtung designt wurden. Der markanteste und aussen wie innen sichtbarste Umbaueingriff bilden die Rundfenster, die an beiden Längsfassaden im Erdgeschoss und Obergeschoss zwischen den Lisenen eingelassen sind. Sie verteilen sich regelmässig über die ganzen Fassadenflächen. Im Erdgeschoss konnten sie zusammen mit den neu errichteten Fassadenmauern eingebaut und im Obergeschoss mussten sie aus den Betonwänden ausgeschnitten werden. Die Fenster können in der Mittelachse aufgedreht werden. Als Sonnenschutz dienen Markisen, die über einen Kettenzug von innen her manuell bedient werden. Es ist gerade dieser starke architektonische Eingriff mit den an Schiffsarchitektur erinnernden Rundfenstern, der aus dem ehemaligen Silogebäude ein bewohnbares Haus für Menschen macht und gleichzeitig assoziativ die frühere weltumspannende Beziehung des Gebäudes anklingen lässt.

Die Prämierung dieser herausragenden Leistung des Architekturbüros Harry Gugger Ltd. hat der Heimatschutz Basel mit Begeisterung und einstimmiger Überzeugung entschieden.


Bernard Jaggi

Sanierung Wohnhaus Schaffhauserrheinweg 63

Bauherrschaft Marlies Maeder
Architektur Florian Rauch

Das Mehrfamilienhaus am Kleinbasler Schaffhauserrheinweg wurde 1892 als zweigeschossiger Bau mit Hochparterre, Bel Etage und Mansarddach durch die Baumeister Carl Keckeis und Adolf Bay errichtet. Bereits 1899 wurde das Mansardgeschoss durch das Baugeschäft Gysin & Maisenhölderzu einem zweiten Vollgeschoss umgewandelt, im Dachgeschoss wurden Mansardzimmer eingerichtet. Zu dieser Zeit entstand im rükwärtigen Hof auch ein bemerkenswerter hölzerner Gartenpavillion.

In den 1970er Jahren wurden die Fassade, das Dach und die Fenster renoviert. Dabei erlebte die Fassade eine Purifizierung: schadhafte Teile der steinmetzmässigen Architekturgliederung wurden einfach auf die Fassade zurückgearbeitet und nicht repariert. Der ursprüngliche Putz wurde durch stark kunststoffhaltiges Material ersetzt. Die bauzeitlichen Fenster blieben lediglich im Treppenhaus und im Dachgeschoss erhalten, sonst wurden sie ersetzt. Trotz dieser Eingriffe war das Gebäude in seiner Struktur und mit seinem sehr wertvollen Bestand an ursprünglichen Ausstattungsteilen vollständig erhalten geblieben.

Restaurierung 2018–2019

Unmittelbar vor den Arbeiten von 2018–2019 zeigte sich das Anwesen stark sanierungsbedürftig: Die beim Umbau 1899 in Betonbauweise eingefügten Balkone des zweiten Stockwerks drohten sich von der Fassade zu lösen. Die Sanitär-, Heizungs- und Elektrohaustechnik waren am Ende ihrer Lebenszeit. Das Dach war undicht, eindringendes Wasser hatte teilweise sogar zu Schäden am Tragwerk geführt. Die Metallkonstruktionen der gläsernen Vordächer und die reichhaltig verzierten Balkongeländer waren stark korrodiert. Es gab ein Bedürfnis nach einem besseren Wärmeschutz und den Wunsch nach Solarenergienutzung für die Brauchwarmwassererwärmung. Die Zimmer des Dachgeschosses sollten zu einer Mietwohnung umgestaltet und der Brandschutz verbessert werden.

Die Restaurierung erfolgte in grossem Respekt vor der vorgefundenen Ausstattung. Ausserdem wurde die verlorengangene Gliederung der stark beeinträchtigten Fassade wiederhergestellt. Eine thermische Solaranlage wurde sehr diskret auf dem mittleren Dachaufbau platziert. Die historischen Wohnungsabschlüsse wurden bewahrt und zu Brandschutztüren umgebaut. Geätzte Glasscheiben, Keramikbeläge, Parkettböden und weitere originale Elemente wurden reparierend instand gestellt. All diese Massnahmen machen das Gebäude zu einem Vorzeigebeispiel für eine denkmalgerechte Sanierung, die auch energetisch gesehen vorbildlich ist. 

Seinen Abschluss fand die sorgfältige Restaurierung aktuell mit der Instandstellung der Aussenräume und des wertvollen hölzernen Gartenpavillion.

Der Heimatschutz zeichnet mit dieser Renovation eine ausserordentliche architektonische Leistung und eine Bauherrin aus, die sich für eine denkmalpflegerisch optimale Lösung begeistern liess.


Hans-Peter Thür

Sanierung Wohnhaus Schaffhauserrheinweg 63, Fassade
Bei der Sanierung der klassizistischen Villa wurde die verloren gegangene Gliederung der Fassade wiederhergestellt. Foto: Ariel Huber, Lausanne
Sanierung Wohnhaus Schaffhauserrheinweg 63, Interieur
Die ursprüngliche Bausubstanz von 1892 blieb während der Sanierungsarbeiten grösstenteils erhalten, wodurch der ehemalige Charakter des Hauses weiterlebt. Foto: Ariel Huber, Lausanne
Sanierung Wohnhaus Schaffhauserrheinweg 63, Treppenhaus
Die bauzeitlichen Fenster blieben lediglich im Treppenhaus und im Dachgeschoss erhalten, sonst wurden sie ersetzt. Foto: Ariel Huber, Lausanne
Hofbebauung Riehenring 3

Bauherrschaft Bau- und Verwaltungsgenossenschaft Wohnstadt
Architekur Jessenvollenweider Architekten Basel; Anna Jessen, Ingemar Vollenweider, Sven Kowalewsky

Der Basler Heimatschutz hat im Rahmen seiner Bautenprämierung in den letzten Jahren bereits exemplarische Beispiele der baulichen Verdichtung im städtischen Kontext ausgezeichnet: das von Immobilien Basel-Stadt konzipierte Mehrgenerationenhaus an der Maiengasse/Hebelstrasse (Esch Sintzel Architekten, 2018) oder der von der Stiftung SKB beauftragte Neubau des Sempacherhofs im Gundeli (Miller & Maranta Architekten, 2015). Bauten wie diese schaffen zusätzlichen Wohnraum, zugleich aber füllen sie städtische Freiräume, als die die Hinterhöfe wahrgenommen wurden.
Umso wichtiger ist es, an die neu entstehende Architektur möglichst hohe städtebauliche Massstäbe anzusetzen, etwa mit Studien- und Architekturwettbewerben. Entscheidend sind das Ausbalancieren zwischen bestehenden und neuen Bauvolumen, der Einsatz individueller Wohntypologien und nicht zuletzt eine überzeugende Materialisierung aller Oberflächen. Nur so kann räumliche Verdichtung auch soziale Qualitäten entfalten.

Die gemeinnützige Basler Wohnbaugenossenschaft Wohnstadt will Wohnraum schaffen, «den sich jeder leisten kann». Mit der Hinterhofüberbauung im Wettstein-Quartier, Riehenring 3 – im Geviert Wettsteinallee, Riehenring, Turnerstrasse – entstanden neue stadtnahe Logis, von der 2½- bis zur 4½-Zimmer-Wohnung. Das Areal nutzte die Stadtreinigung, bevor Immobilien Basel-Stadt die frei gewordene Parzelle im Baurecht an die Wohnstadt abgaben. Das Projekt von Jessenvollenweider Architektur aus Basel ging siegreich aus einem Studienauftrag hervor. Anfang April 2020 konnte man die Wohnungen beziehen. Mit einem biomorph-polygonalen Grundriss des Gesamtobjekts und eingezogenen Minihöfen vermeidet der Entwurf die unmittelbare Konfrontation zwischen Altbauten und Neubau. Die bewegte Umrisslinie öffnet den Blick für die Bewohnenden auf beiden Seiten weiter als man zuerst vermutet. Schliesslich trägt die in grün gefasstem Holz verkleidete Fassade zur besseren Assimilation des neuen Baukörpers im Innenhof bei, ebenso der erhaltene historische Baumbestand.

Aus der atmosphärischen Identität des Hinterhofes leitet sich für die Fassaden ein Materialkonzept ab, das komplementär zu den monolithisch gemauerten und verputzten Häusern des Blockrands den Qualitäten des leichteren Baustoffs Holz nachspürt. Dabei ist das Haus in Hybridbaubauweise erstellt. Die Decken und Treppenhauskerne sowie kurze Tragscheiben in der Fassadenebene sind in Stahlbeton ausgeführt. Dies erlaubt im Hof einen speditiven Betonrohbau. Alle Innenwände sind gemauert und kombinieren eine handwerkliche Konstruktion mit nachhaltigem Wohnkomfort. Die Fassade als Holzkonstruktion erinnert nicht nur an die typische Materialität von Hofeinbauten, sondern nutzt für die innerstädtische Hoflage die Vorteile der Vorfabrikation. Die 36 Wohnungen sind nur durch zwei Treppenhäuser erschlossen und lassen durch die Auffaltung des Volumens vielfältige Orientierungen und Ausblicke zu. Die komplementäre äussere Farbgebung in Grün- und Rottönen mit weissen Akzenten prägt die neue Hofatmosphäre.

Mit dem Wettbewerbsentscheid hat sich die Bauherrschaft auf den ersten Blick für ein für Wohnbaugenossenschaften eher ungewöhnliches Projekt entschieden, das seine Logik nicht aus feststehenden Standards, sondern aus den Bedingungen des Ortes ableitet. Das Ergebnis ist sehr hochwertiger, an Grundfläche knapper, jedoch klug organisierter Wohnraum für Familien und es leistet daher auch einen Beitrag an günstigem Wohnraum - Verdichtung wie sie sein sollte!

Daher zeichnen wir das Objekt mit Überzeugung aus.


Hans-Peter Thür, Philipp Ryffel

Hofbebauung Riehenring, Luftaufnahme
Die neue Hofbebauung schafft an Grundfläche knappen, aber klug organisierten und erschwinglichen Wohnraum für Familien. Foto: Jessenvollenweider, Basel
Hofbebauung Riehenring, Fassade
Die in grün gefasstem Holz verkleidete Fassade kontrastiert mit den monolithisch gemauerten und verputzten Häusern des Blockrandes und passt sich an den Innenhof an. Foto: Jessenvollenweider, Basel
Architekturkritik «Architektur Basel»

Der Heimatschutz hat in den letzten 50 Jahren auch immer wieder Einzelpersönlichkeiten und Institutionen für ihre Verdienste um Stadtbild und Baukultur ausgezeichnet. So auch wieder einmal in diesem Jahrgang. Die Ehrung geht an «Architektur Basel», eine Gruppe von jungen Architektinnen und Architekten, welche auf ihrem Onlineportal das aktuelle Architekturgeschehen kritisch begleiten und kommentieren. Sie informieren auf frische Art über Wettbewerbe, Veranstaltungen, Bauwerke, Baustellen, Baukultur und Architekturgeschichte und produzieren spannende Podcasts und Interviews. Die Förderung von jungen und noch wenig bekannten Büros ist ein ganz besonderes Anliegen des Kollektivs. Seine Beiträge sprechen auch architekturinteressierte Laien an, welche auf fachlich präzise, aber gut verständliche Weise orientiert werden. Der Heimatschutz wünscht dem Newsportal möglichst viele Klicks.

Team Architektur Basel
Auf dem Newsportal «Architektur Basel» informiert ein Team aus jungen Architektinnen und Architekten über Wettbewerbe, Veranstaltungen, Bauwerke, Baustellen, Baukultur und Architekturgeschichte. Foto: architektur basel

50 Jahre Bautenprämierung

Mit der Publikation «50 Jahre Bautenprämierung» blickt der Heimatschutz Basel auf mehr als 50 Jahre Prämierungsgeschichte zurück und stellt darin eine Auswahl der interessantesten Objekte in Bild und Text vor. Damit Renovationen in die Auswahl kommen, müssen sie denkmalgerecht sein und der historischen Substanz Rechnung tragen. Kompetenz und Verständnis dafür haben inzwischen bei vielen Architekten und Hausbesitzern ein hohes Niveau erreicht. «Die Prämierung von Neubauten war in den ersten Jahren nicht immer einfach», schreiben die Autoren Uta Feldges und Robert Schiess im Vorwort. «Das änderte sich erst in den 1980er Jahren, als eine neue Generation von Architekten am Werk war.» Blättern Sie durch 50 Jahre Prämierungsgeschichte!

Publikation

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Archiv

Seit mehr als 50 Jahren zeichnet der Heimatschutz Basel jährlich gute Renovationen, Umbauten und Neubauten aus. Hier finden Sie alle prämierten Objekte seit 1969.

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Liste der vom Heimatschutz Basel prämierten Bauten bis 1969