Medienmitteilung

Bautenprämierung: Ein kleines Juwel und zwei Grossbauten

Der Heimatschutz zeichnet dieses Jahr zwei sehr unterschiedliche Renovationen und einen vorbildlichen Neubau aus: Das Haus «Zur kleinen Tanne», das Zentrum Johannes und den Neubau «irides» der Stiftung Blindenheim Basel.

An seiner Mitgliederversammlung hat der Heimatschutz Basel drei hervorragende Bauten prämiert. Den symbolischen Preis erhielten Architekten und Bauherrschaften von drei sehr unterschiedlichen Vorhaben, die sich aber alle durch einen respektvollen Umgang mit der vorhandenen historischen Substanz oder – im Falle des Neubaus – mit der unmittelbaren Umgebung und dem Stadtbild auszeichnen.

Das Haus «Zur kleinen Tanne» am Spalenberg 27 ist älteren Baslerinnen und Baslern noch als Buchhandlung Werthmüller in Erinnerung. Die Eigentümerinnen entschieden sich für eine sehr aufwändige Restaurierung des im Kern aus dem 14. Jahrhundert stammenden schmalen Hauses (Architektur: Gschwind Architekten). Das Resultat ist in jeder Hinsicht gelungen, und das kleine Juwel am Spalenberg hat seine Würde wieder gefunden. Ständerwände, eine Bohlenwand, gotische Blockstufentreppen und Wandnischen aus verschiedenen Epochen erzählen von der langen Geschichte des Hauses. Moderne funktionale Elemente unter Verwendung traditioneller Baumaterialien verbinden sich mit dem historisch Gegebenen respektvoll zu einem neuen Ganzen. Das Schau-fenster eines neuen Geschäfts schafft den Bezug zum beliebten Spalenberg.

Die Stiftung Blindenheim Basel hat am Standort des alten Blindenheims an der Kohlen-berggasse 20/24 unter dem Namen «irides» ein neues Wohn-, Alters- und Pflegezentrum errichten lassen (Architektur: Esch Sintzel, Zürich). Eröffnet wurde es im vergangenen Jahr. Inmitten der dichten Basler Innenstadt zeigt der Neubau, wie wachsende Bedürfnisse im begrenzten Raum in qualitätsvolle Architektur überführt werden können. Ein dreiflügliger Baukörper gliedert die unterschiedlichen Stadträume und öffnet sich zu stillen, begrünten Höfen. Räume mit grosser Spannweite unterstützen die barrierefreie Bewegungsfreiheit. Alle Wege führen ins Tageslicht, was für Menschen mit einer starken Sehbehinderung zentral ist. Materialien, Farben und Klänge leiten die Orientierung, ohne zu dominieren. Entstanden ist ein Haus, das funktionale Anforderungen mit sinnlicher Erfahrung verbindet und in einer städtischen Umgebung verankert ist. Pierre Jaccoud, Präsident der Stiftung Blindenheim Basel, formulierte den Anspruch der Stiftung an ihren Neubau so: «Mit dem Ersatzneubau «irides» wollten wir als Stiftung Blindenheim Basel ein starkes Zeichen für zeitgemässes Wohnen, Leben und Arbeiten setzen. Eine Antwort geben auf die sich wandelnden Bedürfnisse von betagten Menschen mit und ohne Behinderung – offen, inklusiv und mitten in der Stadt.»

Der Heimatschutz zeichnet auch den Ort aus, wo er seine Jahresversammlung abgehalten hat. Die Johanneskirche bleibt weiterhin Kirche, stellt sich aber als Zentrum Johannes in den Dienst von Quartier und Gesellschaft. Bauherrschaft ist die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt. Das Architekturbüro Nussbaumer Trüssel hat sich in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege intensiv mit den Intentionen der damaligen Architekten Egender und Burckhardt auseinandergesetzt. Bei der umfassenden Sanierung handelt es sich um eine äusserst sorgfältige Arbeit, welche dem denkmalgeschützten Bau aus der Zeit der Neuen Sachlichkeit (1936) Rechnung trägt und ihn für zeitgemässe Nutzungen tauglich macht. Prunkstück der Renovation ist der grosse Kirchensaal mit seiner Kinobestuhlung, dem Marmoraltar, dem gedämpftem Lichteinfall durch Kastenfenster auf der einen Seite und der ziegelrot gestrichenen Wand auf der fensterlosen Seite.

Anlässlich der traditionellen Bautenprämierung wurden die Mitglieder des Heimatschutz Basel gebeten, aus vier denkmalwürdigen Basler Bauten, die weder im kantonalen Denkmalverzeichnis noch im Inventar der schutzwürdigen Bauten figurieren, einen Favoriten zu küren. Die Wahl fiel auf die Wohnsiedlung Davidsboden knapp vor dem Geschäftshaus zum Sodeck. Mit diesem «Mitgliederpreis» weist der Heimatschutz darauf hin, dass die Inventarisierung von Bauten zwischen 1970 und 2000 dringend an die Hand genommen werden muss.

Weitere Informationen

Bautenprämierung
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Bautenprämierung 2025: Ein kleines Juwel und zwei Grossbauten
Medienmitteilung vom 5. November 2025

Auskünfte

Marc Keller
Heimatschutz Basel
Obmann
Telefon: 079 833 00 21